Corona und die schweizer Uhrenindustrie



Covid-19 hat sich in jedem Lebensbereich und in jeder Industrie bemerkbar gemacht. Auch die Uhrenindustrie ist von der Pandemie nicht verschont geblieben. Monatelange Grenzschließungen und Home-Office haben den Uhrenexport einbrechen lassen. Doch sie hat ihr nicht nur geschadet. Langsam haben sich die Manufakturen an das neue „normal“ gewöhnt und die Auslieferungen erfolgen wieder einigermaßen im gewohnten Zeitraum.
Über das letzte Jahr ist aufgrund des Lockdowns, der Zwangsschließung der Ladengeschäfte, die Grenzschließung und das damit verbundene ausbleiben von Touristen der Export um fast 22% gesunken. Ähnlich schlimm wie im Jahr 2009 der Finanzkrise. Doch nicht nur im Export macht es sich bemerkbar, auch in der Arbeitslosenquote die Ende 2020 bei 7,4% lag und somit fast doppelt so hoch wie im Jahr zuvor.
Doch die Branche konnte trotzdem einige Gewinne verzeichnen. Vielleicht gerade weil viele Menschen nicht verreisen konnten, zu Events gehen konnte oder auch einfach nur essen gehen konnten, wollten sie sich anderen Luxus gönnen. Zumal diese nicht nur als persönlicher Luxus betrachtet wird, sondern auch als Investitionsgut. Nur eine andere Branche verzeichnete eine höhere Nachfrage als die hochpreisige Uhren und zwar Sportbekleidung.
Die Zahlen verschleiern jedoch, dass es im zweiten Halbjahr 2020 auch schon wieder deutlich aufwärts gegangen war und die Uhrenbranche sich da schon langsam an die neuen Bestimmungen angepasst hatte. Die Swatch Group lag im zweiten Halbjahr nicht mehr 46% unter dem Vorjahr, sondern nur noch 14%



Richemont hatte im vierten Quartal einen rund 7% geringeren Umsatz als im Vorjahr und bei LVMH waren es sogar nur rund 5%
Die Vorsitzenden von Bulgari und Zenith sprachen in der virtuellen Watch Week LVMHs von Rekordumsätzen im Dezember und auch Oris sprach von 50% mehr im Januar diesen Jahres als letzten.
Einige Hersteller gehen davon aus, ende diesen Jahres wieder an das Jahr 2019 heranzukommen oder sogar zu übertreffen. Das wäre dann eine schnellere Erholung als nach der Finanzkrise 2009 bei der es ein Jahr länger dauerte, es dann aber um bereits 14% übertraf.
Die schnelle Erholung kommt vor allem durch den Onlinehandel. Viele Ladengeschäfte waren von Zwangsschließungen betroffen und mehr Menschen setzten sich mit dem Onlinehandel auseinander und konnten entdecken, dass es sich hierbei um eine gute Alternative zum Kauf im Ladengeschäft handelt.



Die Problemlose Abwicklung online und der kostenlose Versand an die Haustür sind in Zeiten von Corona unabdingbar.
Vielen Kunden scheuten vor dem Onlinekauf wegen der Lieferzeiten, doch da die Ladengeschäfte nicht öffnen durfte war es die einzige Alternative. Die anfänglichen Lieferschwierigkeiten die viele Manufakturen hatten sind glücklicherweise deutlich besser geworden und viele Lieferungen erfolgen sogar deutlich schneller als in den Jahren zuvor.
Was jedoch ein großes Problem bleibt ist das Volumen. Es werden zwar im schnitt mehr teurere Uhren verkauft, die Rückgang der günstigeren Uhren ist dafür jedoch umso stärken und das betrifft vor allem die Zulieferer. Diese können den Einbruch nicht mit weniger und dafür teuereren Produkten kompensieren. Das könnte sich dann eher an der Qualität der Produkte bemerkbar machen, da die Einsparungen der Zulieferer irgendwo bemerkbar sein müssen. Das würde dann wieder die Uhrenhersteller treffen. Wahrscheinlich nicht die großen Marken wie die Swatch Group die sowieso schon fast alles intern herstellt, doch die kleinere auf jeden Fall.
Alles in allem stellt sich die Uhrenbranche jedoch als gewohnt Krisensicher dar, es bleibt jedoch spannend wie es sich weiterentwickelt.
 
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